Letzten Samstag wurden bei DB0GOS einige Erweiterungsarbeiten durchgeführt. Der zentrale HAMNET-Router vom Typ Mikrotik RB450G mit seinen 5 Gigabit-Ports wurde durch einen RB1100 mit 13 Gigabit-Ethernetports auf Power-PC-Basis ersetzt. Zwei mal je 5 Ethernetports sind durch echte Hardware-Switches onboard zusammengefasst. Hierdurch ist der Traffic im Backbone- und User/Servicebereich mit maximaler Geschwindigkeit unterwegs. Der ohnehin wesentlich leistungsfähigere Prozessor im Router wird dadurch nicht mehr so stark belastet, wie es bisher bei den klassischen Software-Bridge-Konfigurationen im HAMNET der Fall war. Diese Änderung wurde durchgeführt, weil bei DB0GOS in Kürze die drei großen AS-Bereiche im Westen (Distrikt-L, Distrikt-R und Distrikt-O) über schnelle Linkverbindungen zusammengeführt werden. In diesem Zusammenhang wurde bei DB0GOS auch schon die Hardware für den 48km langen 5GHz-Link nach DB0II in Mönchengladbach aufgebaut und in Betrieb genommen. Verwendet wird ein 31dBi-Spiegel mit einem Routerboard RB411AH von Mikrotik. Darin arbeitet eine 5GHz-Karte vom Typ XR5 von Ubiquiti. DB0II wird in Kürze mit dem Aufbau nachziehen.

Der Link in Richtung Osten nach DB0IUZ zur Sternwarte Bochum lief schon seit einigen Wochen. Er war nach dem letzten Sommerunwetter, das über Essen niederging, allerdings in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Sturm hatte nicht nur die Antenne, sondern gleich den ganzen Mast aus der Richtung gedreht. Durch Feinjustage der Antenne konnten auf beiden Seiten nochmals mehr als 10dB am Empfänger gewonnen werden. In dieser Konfiguration läuft die Verbindung nun absolut stabil und sehr schnell. Nach Inbetriebnahme eines weiteren Links von DB0IUZ in Bochum zu DB0DS in Dortmund ist das HAMNET im Westen von DL bereits über beachtliche Strecken ausgebaut. Es reicht derzeit in West-Ost-Richtung von Mönchengladbach-Viersen (DB0II) über Essen (DB0GOS), Bochum (DB0IUZ) bis in die Dortmunder Innenstadt (DB0DS). In Nord-Südrichtung beträgt die Reichweite von Kleve am Niederrhein (DB0KV) über Emmerich (DB0EEO), Rees (DB0RES), Essen (DB0GOS), Düsseldorf (DB0DSP), Mönchengladbach (DB0II), Grevenbroich (DB0SYS) bis Köln (DB0KOE). Weitere Standorte werden demnächst hinzukommen.
Der Arbeitstag in Essen endete am Samstag mit einigen Fotoaufnahmen, die einen Eindruck von der Reichweite vermitteln können. Die Aufnahmen wurden am Dachausstieg und nicht vom 6m höheren Mast aus gemacht.


Seit dem letzten Wochenende laufen bei DB0RES nun auch die schnellen Userzugänge für das HAMNET. Es handelt sich um einen vorläufigen Testbetrieb bis zur endgültigen Genehmigung durch die BNetzA. Damit sind zum jetzigen Zeitpunkt im Distrikt-L sowohl auf 13cm als auch auf 6cm HAMNET-Userzugänge bei DB0GOS und bei DB0RES aktiv. Sie können ab sofort von Funkamateuren im Einzugsbereich genutzt werden. Die Kanalbandbreite beträgt auf 13cm 5MHz und auf 6cm 10MHz. Unter optimalsten Bedingungen sind dabei Übertragungsraten bis ca. 13MBit/s auf 13cm und bis 27MBit/s auf 6cm erreichbar.
Am 19.06.2010 konnte nach witterungsbedingten, mehrwöchigen Verzögerungen endlich der neue Gittermast bei DB0RES aufgestellt werden. Der neue Mast war notwendig geworden, um die für das HAMNET erfoderlichen zusätzlichen Antennen und Parabolspiegel tragen zu können. Der alte Rohrmast hatte zwar Stürme wie zum Beispiel Kyrill problemlos überstanden, aber er war nicht schwingungsfrei genug, um bei Windböen auch die Parabolspiegel ruhig genug halten zu können. Eine besondere Herausforderung stellte die Montage des Mastes in ein Schrägdach eines ursprünglich aus dem Jahr 1955 stammenden Gebäudes dar. Da wegen der Straßenverhältnisse die Verwendung eines Autokranes nicht in Frage kam, wurden die Mastsegmente praktisch innerhalb des Gebäudes über fast drei Stockwerke verteilt aneinander gesetzt und mit Seilzügen und „Manpower“ von 5 Helfern des OV Emmerich aus dem Dach heraus gehoben. Das Kopfstück musste dabei jedoch wegen des größeren Mastschlittens weitgehend „draußen“ bleiben und wurde innerhalb des Daches mit den restlichen Mastsegmenten verschraubt, die durch einen Deckendurchbruch bis in den 3. Stock hinab reichten. In den nächsten Tagen erfolgt jetzt schrittweise die Montage der Seilwinde für den Mastschlitten. Danach hofft die Crew, innerhalb von 14 Tagen mit den Funkstrecken wieder in Betrieb gehen zu können. Einige Fotos von der Aktion gibt es hier.
Seit Samstag 12.06.2010 sind DB0IUZ und DB0GOS nach einer ganztägigen Umbauaktion am Standort von DB0IUZ ans HAMNET angeschlossen. Bei DB0IUZ wurde dazu ein komplett neuer Server installiert, den Christoph DK2CRN in den Wochen zuvor aufgesetzt und vorkonfiguriert hatte. Die bisherigen Dienste wie beispielsweise die beiden Conversknoten, die Mailbox, das XNet (DB0IUZ-4), der APRS-Digi und der Funkrufmaster haben dort ihren neuen Platz gefunden. Die bisherigen Daten konnten weitgehend übernommen werden. Probleme gibt es noch mit dem Funkrufmaster, die in nächster Zeit behoben werden sollen.
Als Werner dann per Funkgerät vom Mast oben Bescheid gab, dass die neue Linkantenne installiert war, wurde sie an den HAMNET-Router angeschlossen und die Stromversorgung eingeschaltet. Siehe da, nach dem kurzen Booten des verbauten Routerboard RB411AH kam der Link zu DB0GOS in Essen sofort zustande. Der 14km lange Link läuft mit zwei 25dBi-Antennen, RB411AH-Routerboards von Mikrotik und zwei 802.11n (MIMO) Karten R52Hn mit momentan 10MHz-Kanalbandbreite. Aktiviert sind vertikale und horizontale Polarisation gleichzeitig. Die Feldstärke liegt derzeit bei leichtem Regen zwischen -78dBm und -80dBm bei einem Noisefloor von -109dBm. Das liegt sicherlich an der noch nicht optimal ausgerichteten Antenne bei DB0GOS. Dennoch ist der Link bereits jetzt schon absolut stabil und schafft im Bandbreitentest eine konstante Durchsatzrate von 7MBit/s gleichzeitig in beide Richtungen bzw. rund 14MBit/s beim Senden in einer Richtung. Die Pingzeiten über die rund 14km lange Strecke liegen bei nur 1ms. Das ist ein sehr guter Wert.
Als das geschafft war, wurde noch ein VPN-Tunnel von Bochum zu DB0RES geschaltet. Damit sind die Standorte Bochum und Essen mit ihren Netzen ab sofort ans HAMNET angeschlossen und erreichbar. Nach Inbetriebnahme des Links zwischen DB0GOS und DB0RES soll dieser VPN-Tunnel nur noch als Backup-Link dienen, weil die Hf-Strecken normalerweise wesentlich besser funktionieren. Als Letztes wurde am Standort noch die Webcam repariert, die vom Mast aus etwa 20m Höhe ein Bild mit Blick auf das Radom der Sternwarte und auf den Horizont in Richtung Südwest liefert. Die im Server verbaute Videokarte liefert jetzt ein wesentlich besseres Bild. Das Bild kann im Internet auf der Homepage von DB0IUZ auf http://www.db0iuz.de abgerufen werden. Außerdem werden Standfotos regelmäßig in der Mailbox DB0IUZ-8 in der Rubrik „webcam“ abgelegt. Die Mailbox ist vom HAMNET aus auch per Webbrowser unter der Adresse http://44.225.52.20:8080 erreichbar.
Das HAMNET konnte um einen weiteren Distrikt erweitert werden, nachdem der Distrikt H seine komplette IP-Adressumstellung erfolgreich abgeschlossen hat. Im Raum Hannover hatte man schon vor längerer Zeit damit begonnen, ein Hochgeschwindigkeitsnetz mit privaten IP-Adressen aufzubauen. Wie auf dem Treffen der Betreiber automatischer Stationen im März abgesprochen, hat Holger DO4BZ sich bei der IP-Koordination DL um die Zuteilung einer AS-Nummer und eines IP-Nummernblocks für das HAMNET im Distrikt H bemüht. Die Zuteilung erfolgte am 23.04.2010. Nachdem auch ein BGP-fähiger Router angeschafft wurde und seinen Betrieb aufnahm, ist der Distrikt H seit Donnerstag, den 29.04.2010 ca. 19:00 Uhr, an das in DL bestehende, restliche HAMNET per VPN Tunnel angebunden. Dieser Tunnel soll natürlich aufgelöst werden, sobald es einen anderen Weg per HF oder über andere Distrikte gibt. Damit wurde ein weiterer Meilenstein erreicht: Mit dem Anschluss des Distriktes Hannover ist das HAMNET nun durchgehend von Norddeutschland bis hinunter nach Österreich und Südtirol und nach Westen bis in das westliche Ruhrgebiet und nach Luxemburg erreichbar.
Es zeigte sich auf breiter Front ein lebhaftes Interesse an dem gesamten Themenkomplex. Das wurde besonders deutlich an den zahlreichen spontanen Zwischenfragen und kurzen Diskussionen während der beiden Vorträge „HAMNET in DL – Aufbau, Struktur, IP-Management“ und „Vernetzung innerhalb eines AS an Beispielen“, die den Ablauf erfreulich auflockerten. Es wurde dabei aber auch deutlich, dass es sicher noch eine Menge Fragen geben und eine Menge Erfahrungsaustausch notwendig sein wird, bis es in den einzelnen Regionen so richtig „rund“ läuft.
Das Interesse am HAMNET (auch nach schnellen Userzugängen) ist in diesem Teil der Republik riesengroß. Viele Gäste wollten am liebsten sofort aufbauen und loslegen. Sie wurden aber wohl nur von den vielen offenen Genehmigungsverfahren etwas aufgeschreckt. Derzeit liegen bei der Bundesnetzagentur über 400 Genehmigungsanträge für HAMNET-Stationen vor, die teilweise schon vor mehr als einem Jahr an den Primärnutzer der Frequenzen weitergereicht wurden, aber von diesem noch nicht abschliessend beurteilt worden sind. Dieser Zustand wurde von vielen als völlig unakzeptabel empfunden und die Entscheidungsträger aufgefordert, an diesem Problem mit höchster Dringlichkeit zu arbeiten.